Ortstermine

Blick auf Hiddestorf Mit den Ortsterminen wird versucht, Vergangenes und Gegenwärtiges zu verbinden, den Mythos des in der Zeit versunkenen Geschehens durch das Aufsuchen seines Ortes zu beschwören und die Geschichten in der Geschichte zu erzählen, die in der Chronologie nur als Daten und Fakten begegnen.
Wenig bleibt, das beredt genug ist, den Fluß des Erzählens zu unterhalten. So gibt es Ortsnamen, und Urkunden, die von ihnen handeln, jedoch keine Kunde, wo sich diese Orte je befunden haben. Andererseits gibt es zu Orten, die noch heute existieren, wenige oder keine frühen Zeugnisse. Es bleibt von den Bewohnern all dieser Stätten noch weniger und der Zufall der Entdeckung ist Pate aller rekonstruierten Zusammenhänge.
Jedoch ist der Blick auf gut tausend Jahre schriftlicher Quellen wenig, wenn man von der Geschichte des Calenberger Amtes einmal absieht und den Blick auf weitere menschliche Erfahrungen richtet. "Als Hekataios von Milet nach einer Erzählung von Herodot nach Theben kam und er den dortigen Priestern seinen Stammbaum bis zum sechzehnten Ahn vorrechnete, führten ihn die Priester in den Tempel und zeigten ihm 341 hölzerne Kolossalstatuen. 'Denn so viele Oberpriester und Könige hat es im Laufe dieser Zeit gegeben ... Jeder Oberpriester läßt dort noch zu seinen Lebzeiten sein Standbild aufstellen. Die Priester zählten und zeigten (ihm) alle nacheinander - immer folgte der Sohn auf den Vater ... ' " Jan Assmann, a.a.O. S. 53 f
So ist auch gezeigt, daß Geschichte vornehmlich eine Geschichte der Herrschenden ist, deren Dokumentation und Überlieferung sich aus vielen Quellen speist. Über die 'einfachen Leute' wurde nur aufgeschrieben, was notwendig der schriftlichen Form bedurfte, aber auch nur alltägliche Rechtsgeschäfte oder -brüche, alsbald dem Vergessen anheimgegeben. Nur manchmal überspringt ein Faktum die Vergangenheit, hüpft wie ein über das Wasser geschnellter Stein, hier und dort das tragende Element berührend , bis in unsere Zeit: Die Geschichte vom Mummendey Baum ist von solcher Art.